Eine Kerze brennt auf der Fensterbank, draußen blaue Dämmerung
Seelenpartner

Warum tut Liebeskummer im Herbst plötzlich wieder mehr weh?

23. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit · von Susanne Wachter

Den Sommer über ging es eigentlich. Lange Abende, Menschen um dich herum, draußen sein, bis es dunkel wurde. Er war da, irgendwo im Hintergrund, aber er hat nicht mehr jeden Tag bestimmt.

Und dann stellst du die Uhr um. Um fünf ist es dunkel, der Regen klopft ans Fenster, und du sitzt mit einer Tasse Tee auf dem Sofa. Plötzlich ist er wieder ganz nah. Näher als seit Wochen.

Viele erschrecken in diesem Moment: „Ich dachte, ich wäre weiter." Ich möchte dir heute zeigen, dass du nicht zurückgefallen bist. Du bist in eine andere Jahreszeit gekommen. Und die hat ihre eigenen Regeln.

Warum kommt der Schmerz gerade jetzt zurück?

Weil der Herbst genau die Dinge wegnimmt, die dich im Sommer getragen haben.

Im Sommer hilft dir das Außen: Licht, Bewegung, spontane Treffen, das Leben auf der Straße. All das beschäftigt dein System, ohne dass du es merkst. Im Herbst zieht sich das Leben nach innen. Die Abende werden lang und still. Und in der Stille meldet sich, was noch offen ist.

Dazu kommt der Körper. Weniger Licht heißt für viele Menschen: weniger Antrieb, mehr Müdigkeit, eine dünnere Haut. Was du im Juli mit einem Schulterzucken weggesteckt hast, trifft dich im November mitten ins Herz. Dein Gefühl für ihn ist dabei gar nicht größer geworden. Nur dein Puffer ist kleiner.

Und dann sind da die Bilder. Der Herbst ist die Jahreszeit der Zweisamkeit: Kerzen, Decken, Kochen zu zweit, die ersten Weihnachtsmärkte, die sich schon ankündigen. Jedes dieser Bilder fragt leise: Und du?

Heißt das, ich habe noch nicht losgelassen?

Nicht unbedingt. Es heißt vor allem, dass du zum ersten Mal eine dunkle Jahreszeit ohne ihn erlebst.

Jede erste Jahreszeit nach einem Abschied ist eine Premiere. Der erste Sommer, der erste Geburtstag, der erste Herbst. Dein System hat für diese Zeit noch keine Erfahrung ohne ihn abgespeichert. Also greift es auf die alten Bilder zurück. Beim zweiten Herbst ist das meist schon deutlich leiser, weil es dann eine neue Erinnerung gibt: Ich bin da schon einmal durchgegangen.

Erklären heißt nicht entschuldigen. Du darfst verstehen, warum es gerade mehr wehtut. Und du darfst trotzdem entscheiden, wie du diese Wochen gestaltest.

Kerze und aufgeschlagenes Buch auf einem Tisch vor dem Sofa, warmes Abendlicht
Licht machen, bevor es ganz dunkel ist: So beginnt das Abendlicht-Ritual.

Was hilft mir durch die dunklen Abende?

Keine große Umstellung. Ein Plan für die Stunde, in der es am schwersten ist. Ich nenne ihn das Abendlicht-Ritual:

Das Abendlicht-Ritual — jeden Abend, in deiner schweren Stunde

1

Finde deine schwere Stunde. Bei den meisten liegt sie zwischen 17 und 20 Uhr, wenn es dunkel wird und der Tag noch nicht vorbei ist. Schreib sie dir auf.

2

Mach genau dann Licht. Wirklich wörtlich: Zünde eine Kerze an oder mach die warme Lampe an, bevor es ganz dunkel ist. Dein System lernt: Die Dunkelheit kommt, und ich sorge für mich.

3

Gib der Stunde einen Inhalt, der nur dir gehört. Eine Suppe, die du nur für dich kochst. Ein Hörbuch. Zehn Minuten Dehnen auf dem Teppich. Nichts Großes, aber jeden Abend dasselbe.

4

Schließ den Abend mit einem Satz ab. Schreib auf: „Heute habe ich mir ... gegeben." Ein einziger Satz reicht.

Nach einer Woche wird die schwere Stunde oft schon zu einer Stunde, auf die du dich ein bisschen freust. Nicht weil er vergessen ist. Sondern weil sie jetzt dir gehört.

Wann sollte ich genauer hinschauen?

Wenn die Schwere über Wochen jeden Tag bestimmt, dich morgens kaum aufstehen lässt und auch an hellen Tagen bleibt, dann ist das mehr als Liebeskummer. Dann sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Eine Herbstverstimmung ist gut behandelbar, und du musst sie nicht allein tragen.

Dein nächster Schritt: die 7-Tage-Reise

Die dunkle Jahreszeit braucht keine Durchhalteparolen, sondern kleine, verlässliche Schritte. Genau so ist meine kostenlose 7-Tage-Reise „Raus aus der emotionalen Warteschleife" gebaut: sieben Tage, jeden Tag ein kurzer Impuls und eine kleine Übung. Damit deine Abende wieder dir gehören.

Kostenlos starten

Häufige Fragen

Ist es normal, dass ich im Herbst öfter an ihn denke?

Ja. Weniger Licht, mehr Zeit drinnen und die vielen Bilder von Zweisamkeit wecken alte Gedanken. Das sagt etwas über die Jahreszeit, nicht über deinen Fortschritt.

Soll ich mich einfach mehr ablenken?

Ablenkung hilft für den Moment. Was bleibt, ist etwas anderes: ein fester kleiner Rahmen, in dem du dich um dich kümmerst. Ablenkung läuft vor dem Gefühl weg. Ein Ritual gibt ihm einen Platz.

Wird es an Weihnachten noch schlimmer?

Nicht zwangsläufig. Wer jetzt im Herbst für die schweren Abende vorsorgt, geht meist deutlich ruhiger in den Dezember. Die Adventszeit ist dann nicht mehr die Zeit, in der alles hochkommt, sondern eine, die du dir selbst gestaltest.

Von Herzen, Susanne