Das Radio in der Küche. Die Kinder, die nur spielen. Das Kauen am Tisch, das Klappern im Büro, der Nachbar mit dem Rasenmäher. Früher war das alles einfach da. Jetzt geht es dir durch und durch. Du wirst innerlich scharf, du willst den Raum verlassen, und manchmal fährst du Menschen an, die nichts getan haben, außer laut zu sein.
Hinterher der Gedanke: Ich werde seltsam. Ich vertrage nichts mehr.
Du verträgst nicht weniger. Dein Filter ist dünner geworden. Das ist ein Unterschied, und er zeigt, wo du ansetzen kannst.
Dein Nervensystem hat einen Türsteher, und der ist müde
Jede Sekunde treffen mehr Reize auf dich, als du verarbeiten könntest. Dein Nervensystem sortiert deshalb ständig: wichtig, unwichtig, bekannt, neu. Das Hintergrundrauschen der Welt wird abgeschwächt, damit du dich auf das konzentrieren kannst, was zählt. Diese Sortierung ist Arbeit, und sie läuft nur gut, wenn das System sich sicher fühlt.
Ein System in Dauerbereitschaft sortiert anders. Es stuft mehr als wichtig ein, weil es in jedem Geräusch eine mögliche Gefahr prüft. Der Filter wird durchlässig, alles kommt ungedämpft an. Dazu kommt ein kleiner Muskel im Mittelohr, der bei Ruhe leise Geräusche dämpft und bei Alarm anders arbeitet. Unter Anspannung wirkt die Welt deshalb wörtlich lauter.
Und dann die Reaktion. Was ungefiltert ankommt, trifft auf ein System, das ohnehin voll ist. Der Lärm ist nicht die Ursache deiner Gereiztheit. Er ist der Tropfen, der den Füllstand sichtbar macht.
Warum Ohrstöpsel allein es verschärfen
Weil Rückzug von allen Geräuschen deinem System beibringt, dass Geräusche gefährlich sind. Wer dauerhaft alles abschirmt, wird empfindlicher, nicht robuster. Der Türsteher lernt nur, wenn er in ruhigen Momenten erleben darf, dass Alltagsgeräusche harmlos sind.
Auch der umgekehrte Weg, sich einfach zusammenzureißen und alles auszuhalten, hilft nicht. Er erhöht die Last. Was wirklich etwas verändert, liegt dazwischen: weniger gleichzeitig, bewusste stille Inseln und ein System, das insgesamt wieder weiter unten läuft.
Die Übung: die Lautstärke zurückdrehen
Für die nächsten zwei Wochen:
Die Lautstärke zurückdrehen — für die nächsten zwei Wochen
Eine Schicht Geräusch abziehen. Beim Kochen kein Radio. Beim Autofahren keine Nachrichten. Beim Arbeiten keine Musik im Hintergrund. Nicht, weil das schlimm wäre, sondern weil dein System dann eine Schicht weniger sortieren muss.
Zwei stille Inseln am Tag. Je fünf Minuten, ohne Bildschirm, ohne Ton. Sitzen, Hand auf dem Brustbein, langer Ausatem. Dein Filter braucht Pausen, um sich zu erholen, genau wie ein Muskel.
Summen, wenn es laut wird. Klingt seltsam, wirkt aber: Leises Summen mit geschlossenem Mund, zehn Atemzüge lang. Die Schwingung im Hals und Brustraum beruhigt über den Vagusnerv genau den Zweig deines Systems, der für Ruhe zuständig ist.
Schutz gezielt, nicht dauerhaft. Ohrstöpsel im Großraumbüro für eine Stunde konzentrierte Arbeit: ja. Ohrstöpsel den ganzen Tag: nein. Dein System soll lernen, dass Alltag geht.
Und eine Beobachtung, die sich lohnt: Welche Geräusche sind es wirklich? Oft sind es nicht die lautesten, sondern die, bei denen du dich nicht wehren kannst. Das sagt mehr über deinen Zustand als über den Lärm.
Wann es abgeklärt gehört, und wo ich ansetze
Eine neue oder stark zunehmende Geräuschempfindlichkeit gehört zur HNO-Ärztin oder zum HNO-Arzt. Dahinter können Hyperakusis, Tinnitus, ein Hörsturz oder eine Störung des Innenohrs stecken, auch Migräne und bestimmte Medikamente verändern, wie laut die Welt ankommt. Wenn Ohrenschmerzen, Schwindel, ein plötzlicher Hörverlust oder ein dauerhaftes Pfeifen dazukommen, gehört das zügig untersucht.
Wenn das geklärt ist und das Muster bleibt, geht es um den Filter und um die Grundlast dahinter. Genau dort setze ich in meiner Praxis an: Mit ThetaHealing schauen wir auf die Muster, die dein System in Bereitschaft halten, bei diesem Thema oft die Erfahrung, dass du immer alles mitbekommen musstest, um sicher zu sein. Mit Bioresonanz unterstützen wir die Regulation, damit dein Nervensystem wieder sortieren kann, statt alles durchzulassen. Das ersetzt keine medizinische Behandlung. Es arbeitet neben ihr.
Dein nächster Schritt: der Einzeltermin
Wenn dir die Welt seit Monaten zu laut ist und du dich selbst darin nicht mehr erkennst: Hier findest du alles zum Einzeltermin, Praxis Nüziders oder online.
Termin ansehenHäufige Fragen
Bin ich einfach hochsensibel?
Möglich, dann war die Welt für dich schon immer etwas lauter, und du brauchst grundsätzlich mehr Pausen. Der Unterschied liegt im Verlauf: Wenn es früher deutlich leichter ging und jetzt alles zu viel ist, spricht das für eine hohe Grundlast, nicht für Veranlagung.
Warum macht mich ausgerechnet das Kauen oder Atmen eines Menschen so wütend?
Diese sehr gezielte Reaktion auf bestimmte Geräusche hat einen eigenen Namen, Misophonie, und sie ist bei angespannten Menschen häufiger. Das Geräusch selbst ist harmlos, aber dein System hat es als Bedrohung abgespeichert. Auch hier hilft weniger Abwehr und mehr Regulation.
Hilft es, laute Orte komplett zu meiden?
Kurzfristig ja, langfristig nein. Dein Filter lernt nur in Begegnung mit Geräuschen, dass sie ungefährlich sind. Sinnvoller: weniger gleichzeitig, kürzer, mit klarem Ende und vorher zwei Minuten Ausatem.
Von Herzen, Susanne