Susanne Wachter sitzt entspannt in einem Straßencafé bei einem Kaffee
Persönlichkeit

Warum ziehe ich immer wieder denselben Typ Mann an?

9. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit · von Susanne Wachter

Anderer Name. Anderer Beruf. Andere Stadt. Und nach ein paar Monaten sitzt du wieder am selben Punkt: Er zieht sich zurück, du strengst dich an, und irgendwann fragst du dich, was mit dir eigentlich los ist.

Irgendwann kommt der Satz, den ich in meiner Praxis so oft höre: „Ich glaube, ich habe einen Defekt. Ich ziehe die einfach an."

Diesen Satz möchte ich dir heute wegnehmen. Nicht weil das Muster nicht existiert — es existiert. Sondern weil die Erklärung dafür eine ganz andere ist, als du denkst. Und weil sie dir zeigt, wo du ansetzen kannst.

Ziehe ich diese Männer wirklich an?

Nein — nicht so, wie du es meinst.

Du sendest kein unsichtbares Signal, das nur die Unerreichbaren empfangen. Was tatsächlich passiert, ist nüchterner und deutlich hilfreicher: Du begegnest, wie alle, ganz unterschiedlichen Menschen. Aber bei einer bestimmten Sorte springt in dir etwas an — dieses vertraute Ziehen, das sich anfühlt wie Wiedererkennen. Und genau dieser Sorte gibst du mehr Aufmerksamkeit, mehr Geduld, mehr Chancen.

Der Mann, der von Anfang an klar und verfügbar ist, löst dieses Ziehen nicht aus. Er fühlt sich ruhig an — und Ruhe wird von einem System, das Aufregung als Liebe gelernt hat, leicht mit „langweilig" verwechselt.

Du ziehst nicht an. Du wählst — nur eben nach einem Maßstab, der lange vor diesen Männern in dir angelegt wurde.

Woher kommt dieser Maßstab?

Aus deinen ersten Erfahrungen davon, was Liebe ist und wie man sie bekommt.

Wenn Zuwendung früh unberechenbar war — mal warm, mal abwesend —, dann lernt ein Kind nicht: Liebe ist da. Es lernt: Liebe muss man erspüren, verdienen, halten. Es entwickelt feine Antennen für Stimmungen, große Anpassungsfähigkeit und eine enorme Ausdauer im Warten. Fähigkeiten, die damals überlebenswichtig waren.

Und heute? Heute machen genau diese Fähigkeiten unerreichbare Männer zu einer vertrauten Aufgabe. Nicht weil du das Falsche willst, sondern weil dein System das Bekannte für sicher hält. Vertraut und gut sind nicht dasselbe — aber sie fühlen sich von innen erstaunlich ähnlich an.

Und ja: Erklären heißt nicht entschuldigen. Deine Geschichte erklärt, warum die Wahl so ausgefallen ist. Sie verpflichtet dich nicht, sie noch einmal so zu treffen.

Wie durchbreche ich das Muster?

Nicht mit einer neuen Liste von Kriterien im Kopf. Die kennst du längst — und in der Sekunde, in der es zieht, hilft sie nicht.

Was hilft, ist eine Übung, die du ab dem nächsten Kennenlernen anwenden kannst. Ich nenne sie den Körper-Check nach dem Date. Setz dich hinterher fünf Minuten hin, ohne Handy. Füße auf den Boden, eine Hand aufs Herz, dreimal lang ausatmen. Dann frag deinen Körper, nicht deinen Kopf, drei Dinge:

Der Körper-Check nach dem Date

1

Wo bin ich gerade? Ist mein Bauch weich oder eng? Sind meine Schultern unten oder oben?

2

War das Aufregung oder Anspannung? Aufregung ist warm und offen. Anspannung ist eng und wachsam — sie fragt: Wie komme ich bei ihm an?

3

Habe ich mich heute Abend gespürt — oder ihn gelesen?

Susanne Wachter schreibt bei Tageslicht in ein Notizbuch
Drei Sätze nach jeder Begegnung — nach vier, fünf Malen hast du kein Gefühl mehr, sondern Daten über dich.

Schreib die Antworten in drei Sätzen auf. Nach vier, fünf Begegnungen hast du kein Gefühl mehr, sondern Daten über dich. Und die sind unbestechlicher als jede Verliebtheit.

Der zweite Schritt ist unbequemer und wirkt am stärksten: Gib dem Ruhigen drei Begegnungen. Nicht aus Vernunft heiraten — nur den Reflex aussetzen, jemanden abzuschreiben, weil nichts kribbelt. Dein System braucht Wiederholung, um zu lernen, dass Verlässlichkeit auch schön sein kann. Beim ersten Mal fühlt sich das flach an. Beim dritten Mal manchmal schon nach Frieden.

Bin ich zu anspruchsvoll — oder zu wenig?

Meistens weder noch. Meistens bist du anspruchsvoll an der falschen Stelle.

Sehr hohe Ansprüche an dich selbst — verständnisvoll sein, nicht zu viel wollen, geduldig bleiben. Und sehr geringe Ansprüche an das, was du bekommst: Verlässlichkeit, Klarheit, echtes Interesse. Wenn sich das umdreht, ändert sich der Typ Mann in deinem Leben ganz von allein. Nicht durch Anziehung. Durch Auswahl.

Dein nächster Schritt: die kostenlose 7-Tage-Reise

Ein Muster kippt nicht durch eine Einsicht, sondern durch neue Erfahrungen — kleine, wiederholte, im Alltag. Genau dafür ist „Raus aus der emotionalen Warteschleife" gebaut: sieben Tage, jeden Tag ein kurzer Impuls und eine kleine Übung. Damit dein System Schritt für Schritt lernt, dass Ruhe kein Mangel ist.

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Häufige Fragen

Heißt das, ich bin selbst schuld an meinen Beziehungen?

Nein. Schuld ist ein Wort, das hier nichts zu suchen hat. Du hast als Kind gelernt, was du lernen musstest. Verantwortung übernimmst du erst jetzt — und zwar nur für den nächsten Schritt, nicht rückwirkend für alles.

Was, wenn ich bei ruhigen Männern einfach nichts spüre?

Das ist der häufigste Punkt, an dem Frauen aussteigen. Es ist kein Beweis, dass er nicht passt. Es ist ein Hinweis darauf, dass dein System Anspannung als Signal für Verliebtheit gelernt hat. Dieses Signal lässt sich neu einstellen — nicht durch Nachdenken, sondern durch Wiederholung.

Muss ich meine Kindheit aufarbeiten, damit sich etwas ändert?

Du musst nicht alles verstehen, um anders zu wählen. Der Weg beginnt im Heute: an dem, was dein Körper nach einer Begegnung erzählt. Was aus der Vergangenheit wichtig ist, taucht dabei von selbst auf — und dann kann man in Ruhe hinschauen.

Von Herzen, Susanne